Wer ein älteres Ein- oder Zweifamilienhaus besitzt, steht oft vor einem gewaltigen Berg an Sanierungsaufgaben: Das Dach muss gedämmt, die Fenster ausgetauscht, die Fassade erneuert und die alte Ölheizung gegen eine umweltfreundliche Wärmepumpe getauscht werden. Doch womit fängt man an? Wer die falsche Reihenfolge wählt, verbrennt viel Geld durch falsch dimensionierte Heizungen oder verliert wertvolle staatliche Fördermittel. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen den optimalen Fahrplan für Ihre energetische Sanierung.
Der mit Abstand häufigste Fehler bei der Haussanierung lautet: Erst eine neue Heizung einbauen und jahre später das Haus dämmen.
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Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich strikt an die bauphysikalisch bewährte Reihenfolge halten:
Bevor eine neue Heizung ins Haus kommt, sollten Sie die Verluste über die Außenhülle minimieren:
1. Fenstertausch: Der Austausch von alten 2-fach-Verglasungen gegen moderne 3-fach-Wärmeschutzverglasungen ist oft die schnellste und effektivste Einzelmaßnahme.
2. Dach- oder oberste Geschossdeckendämmung: Da Wärme physikalisch nach oben steigt, ist ein ungedämmtes Dach die größte Energieschleuder.
3. Fassadendämmung: Senkt den Wärmebedarf eines Hauses um bis zu 30 bis 40 %.
Erst wenn der zukünftige Wärmebedarf des Hauses feststeht (und spürbar reduziert wurde), wird die neue Heizung (z.B. eine Luft-Wasser-Wärmepumpe) exakt passend dimensioniert. Sie arbeitet dann im optimalen Teillastbereich, läuft extrem leise und verbraucht minimalen Strom.
Als finaler Schritt wird eine Photovoltaikanlage auf dem nun optimal sanierten Dach installiert, um den verbleibenden Haushalts- und Wärmepumpenstrom umweltfreundlich und kostenlos selbst zu erzeugen.
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Um die Sanierungsschritte finanziell optimal zu stemmen, sollten Sie vor dem ersten Handschlag einen zertifizierten Energieberater einbinden und einen Individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen lassen:
Ja, das ist sogar sehr empfehlenswert. Wenn Sie die Sanierungsschritte in enger zeitlicher Absprache durchführen, kann der Heizungsbauer die Dämmung bereits in die Heizlastberechnung der neuen Wärmepumpe einfließen lassen.
Die Erstellung eines iSFP kostet für ein Einfamilienhaus meist zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Allerdings übernimmt der Staat (BAFA) bis zu 80 % dieser Beratungskosten, sodass Ihr realer Eigenanteil oft nur bei wenigen Hundert Euro liegt.
Einfache Dämmarbeiten (z.B. Dämmen der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke) können geschickte Heimwerker problemlos in Eigenleistung durchführen. Um staatliche Fördergelder zu erhalten, ist jedoch fast immer der Nachweis der Durchführung durch ein Fachunternehmen zwingend vorgeschrieben.