Ist eine PV-Versicherung Pflicht?
Nein, eine spezielle Photovoltaik-Versicherung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Betreiber von PV-Anlagen sind nicht verpflichtet, ihre Anlage separat zu versichern.
Allerdings: Ohne Versicherung tragen Sie das volle finanzielle Risiko. Ein Hagelschaden an einer 10-kWp-Anlage (20 Module) kostet 4.000–6.000 € für Austausch und Montage. Ein Blitzschlag kann den Wechselrichter zerstören (2.000–3.000 €). Selbst ein Marderbiss an einem Kabel verursacht Reparaturkosten von 500–1.000 €.
Die jährliche Versicherungsprämie von 80–150 € ist im Vergleich zu diesen Risiken verschwindend gering. Wir empfehlen dringend, Ihre PV-Anlage zu versichern. Wer eine neue PV-Anlage plant, sollte die Versicherung von Anfang an mit einplanen.
Welche Versicherungen gibt es?
| Versicherungstyp | Deckt | Kosten (jährlich) |
|---|---|---|
| Allgefahren (PV-Spezial) | Sturm, Hagel, Blitz, Diebstahl, Tierverbiss, Bedienungsfehler, Materialfehler | 80–150 € |
| PV-Haftpflicht | Personenschäden, Sachschäden durch die PV-Anlage (z.B. herabfallende Module) | 50–100 € |
| Ertragsausfall (Zusatz) | Entgangene Einspeisevergütung + Eigenverbrauch bei Stillstand | 30–60 € |
| Wohngebäude (PV mitversichert) | Meist Allgefahren — aber prüfen! | In Prämie enthalten |
Die Allgefahrenversicherung ist die umfassendste und empfehlenswerteste Lösung. Sie deckt nahezu alle relevanten Risiken ab und kostet mit 80–150 € pro Jahr weniger als ein Restaurantbesuch.
Wohngebäudeversicherung: PV oft schon mitversichert
Bevor Sie eine separate PV-Versicherung abschließen, prüfen Sie Ihre bestehende Wohngebäudeversicherung. Viele Policen decken Photovoltaikanlagen automatisch mit — jedoch oft mit Einschränkungen:
- Summenbegrenzung: Oft nur bis 10 kWp oder 20.000 € Schadenssumme
- Kein Ertragsausfall: Standard-Policen decken nur Sachschäden, nicht entgangene Erträge
- Keine Diebstahl-Deckung: Module auf dem Dach sind oft nicht gegen Diebstahl versichert
Fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach, ob Ihre PV-Anlage vollständig mitversichert ist — und ob die Deckungssumme ausreicht. Ein kurzer Anruf kann 80–150 € jährliche Ersparnis bringen.
Ertragsausfall: Der oft unterschätzte Schaden
Wenn Ihre PV-Anlage durch einen Schaden stillsteht, verlieren Sie doppelt: die Einspeisevergütung (etwa 8 Ct/kWh) und den Eigenverbrauch (32 Ct/kWh, die Sie sonst nicht aus dem Netz beziehen müssten). Eine 10-kWp-Anlage produziert im Sommer 50 kWh/Tag — ein Stillstand von 14 Tagen kostet:
- Einspeisevergütung: 400 kWh × 0,08 € = 32 €
- Eigenverbrauchsverlust: 300 kWh × 0,32 € = 96 €
- Gesamtverlust: 128 € (14 Tage)
Die Ertragsausfall-Versicherung erstattet je nach Tarif 20–60 Ct/kWh für die gesamte Stillstandszeit. Bei einem Monat Stillstand wird eine Erstattung von 500–1.500 € fällig — das deckt die Kosten für eine schnelle Reparatur und kompensiert die verlorenen Erträge.
Balkonkraftwerk: Hausratversicherung prüfen
Kleine Steckersolargeräte bis 800 Watt sind in der Regel über die Hausratversicherung mitversichert — sofern sie am Balkongeländer oder an der Außenwand montiert sind. Bodenmontierte Balkonkraftwerke im Garten sind meist nicht gedeckt. Die Deckungssumme ist auf 5.000–10.000 € begrenzt, was für ein Balkonkraftwerk (800–1.500 €) mehr als ausreicht.
Mehr zu den Regeln für Balkonkraftwerke finden Sie im Ratgeber Balkonkraftwerk anmelden.
Was tun im Schadensfall?
- Schaden dokumentieren: Fotos machen, Schadensbeschreibung notieren.
- Versicherung informieren: Innerhalb von 7 Tagen (meist per Telefon oder Online-Formular).
- Gutachter: Die Versicherung schickt einen Sachverständigen (kostenlos für Sie).
- Reparatur: Nach Freigabe durch die Versicherung. Holen Sie mehrere Angebote ein.
- Ertragsausfall melden: Bei Stillstand parallel zur Reparatur den Ertragsausfall geltend machen.
Die Reparaturzeit beträgt typischerweise 2–6 Wochen (Lieferzeit Ersatzteile + Montagetermin). Auch beim Thema PV mieten oder kaufen spielt die Versicherungsfrage eine wichtige Rolle — viele Mietmodelle enthalten bereits eine Versicherung.
Kostenvergleich: Mit vs. ohne Versicherung
Ein Praxisbeispiel: Hagelschaden an 12 von 20 Modulen einer 10-kWp-Anlage, Stillstand 3 Wochen, Reparatur 4.500 €.
| Mit Allgefahren (120 €/Jahr) | Ohne Versicherung | |
|---|---|---|
| Reparaturkosten | Vollständig gedeckt | 4.500 € selbst |
| Ertragsausfall (3 Wochen) | 380 € erstattet | 380 € verloren |
| Ihre Kosten | 0 € | 4.880 € |
Die Versicherungsprämie von 120 €/Jahr entspricht den Kosten von 40 Jahren ohne Schaden — ein einziges Hagelereignis in 20 Jahren PV-Betrieb macht die Versicherung zum finanziellen Gewinn.
Zusätzlicher Tipp: Viele Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen bieten die PV-Deckung als kostengünstigen Zusatzbaustein an. Der Abschluss über den bestehenden Versicherer ist oft günstiger als eine separate PV-Police — und spart Verwaltungsaufwand. Fragen Sie bei der nächsten Verlängerung Ihrer Wohngebäudeversicherung gezielt nach der PV-Deckung. Ein kurzer Anruf kann 50–100 € jährlich sparen. Denken Sie auch daran, Ihre Versicherungspolice regelmäßig zu aktualisieren: Wenn Sie Ihre PV-Anlage erweitern (mehr Module, größerer Speicher), muss die Deckungssumme angepasst werden — sonst sind Sie im Schadensfall unterversichert. Tipp: Viele Versicherer bieten einen Kombi-Tarif für PV + Speicher an — das ist oft 10–20 % günstiger als zwei separate Policen und deckt alle Komponenten aus einer Hand. Fragen Sie auch nach einer Selbstbeteiligung — eine moderate SB von 150–300 € senkt die Jahresprämie um 15–25 % und ist im Schadensfall verkraftbar. Abschließend gilt: Eine PV-Anlage ohne Versicherung zu betreiben ist wie ein Auto ohne Haftpflicht — es kann jahrelang gutgehen, aber ein einziger Schaden übersteigt die kumulierte Prämienersparnis um ein Vielfaches.




