§ 35c EStG: 20 % Steuerbonus für die Sanierung

Mit § 35c EStG ziehen Selbstnutzer 20 % der Kosten für Dämmung, Fenster, Heizung oder Lüftung direkt von ihrer Einkommensteuer ab, verteilt auf drei Jahre mit 7, 7 und 6 %, höchstens 40.000 € je Objekt. Die Maßnahme muss vor dem 01.01.2030 abgeschlossen sein und darf nicht zusätzlich mit KfW- oder BAFA-Mitteln gefördert werden. Für Dämmung und Fenster bringt der Steuerbonus häufig mehr als der BAFA-Zuschuss von 15 %, für eine Wärmepumpe meist weniger als die KfW 458.

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Inhaltsverzeichnis

So funktioniert der Steuerbonus

Die Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen steht in § 35c EStG. Sie mindert nicht das Einkommen, sondern direkt die festgesetzte Einkommensteuer. Einen Förderantrag vor Beginn gibt es nicht: Sie beantragen die Ermäßigung nach Abschluss mit der Steuererklärung.

Jahr Ermäßigung Höchstbetrag
Jahr des Abschlusses 7 % der Aufwendungen 14.000 €
Folgejahr 7 % der Aufwendungen 14.000 €
Drittes Jahr 6 % der Aufwendungen 12.000 €
Summe 20 % 40.000 € je Objekt (≙ 200.000 € Kosten)

Begünstigt sind nach Abs. 1: Dämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken, Erneuerung von Fenstern oder Außentüren, Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage, Erneuerung der Heizungsanlage, digitale Systeme zur Betriebs- und Verbrauchsoptimierung sowie die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, die älter als zwei Jahre sind. Die technischen Mindestanforderungen regelt die Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV).

Energieberater: Beauftragen Sie einen vom BAFA zugelassenen Energieberater mit der Planung oder Bauaufsicht, mindern seine Kosten die Steuer um 50 % statt 20 %. Sie zählen zum Höchstbetrag von 40.000 €.

Voraussetzungen

  • Selbstnutzung: Das Gebäude oder die Eigentumswohnung wird im jeweiligen Kalenderjahr ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt, und zwar in allen drei Jahren. Unentgeltliche Überlassung von Teilen an Angehörige ist unschädlich, Vermietung nicht.
  • Alter: Das Gebäude ist bei Durchführung der Maßnahme älter als 10 Jahre (maßgeblich ist der Beginn der Herstellung).
  • Fachunternehmen: Eigenleistung ist nicht begünstigt.
  • Rechnung und Zahlung: Rechnung auf Deutsch mit Maßnahme, Arbeitsleistung und Objektadresse; Zahlung auf das Konto des Unternehmens, keine Barzahlung.
  • Bescheinigung: Das ausführende Fachunternehmen bestätigt die Voraussetzungen auf dem amtlich vorgeschriebenen Muster des Bundesfinanzministeriums.
  • Zeitraum: Beginn nach dem 31.12.2019, Abschluss vor dem 01.01.2030 (§ 52 EStG).
  • Miteigentum: Gehört das Objekt mehreren Personen, gibt es die Ermäßigung insgesamt nur einmal.

Kombinationsverbot

Nach § 35c Abs. 3 ist der Bonus ausgeschlossen, wenn für dieselbe Maßnahme

  • ein steuerfreier Zuschuss (KfW 458, BAFA BEG EM) oder ein zinsverbilligter Kredit (z. B. Ergänzungskredit 358/359) genutzt wird,
  • die Kosten als Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung angesetzt werden,
  • eine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG oder § 10f EStG beansprucht wird.

Das Verbot bezieht sich auf die einzelne Maßnahme. Viele Eigentümer kombinieren deshalb: Heizung über die KfW 458, Fenster oder Dach über § 35c. Klären Sie die Aufteilung im Zweifel vorab mit dem Finanzamt oder einer Steuerberatung.

Steuerbonus oder Zuschuss? Der Vergleich

Kriterium § 35c EStG BAFA BEG EM (Hülle, Lüftung) KfW 458 (Heizung)
Satz 20 % über 3 Jahre 15 % (+5 % iSFP-Bonus oberhalb 30.000 €) 30 % + Boni, max. 70/80 %
Bemessungsgrenze 200.000 € je Objekt, gesamt 30.000 € je Jahr (60.000 € mit iSFP) für die 1. WE 28.000 € für die 1. WE (sinkt ab 02/2027)
Wer nur Selbstnutzer Eigentümer, auch Vermieter Eigentümer, Boni nur Selbstnutzer
Antrag vorab nein ja, vor Vorhabenbeginn ja, vor Vorhabenbeginn
Experte nötig nein ja (Energieberater-Pflicht) nein
Geld fließt mit den Steuerbescheiden über 3 Jahre nach Verwendungsnachweis nach Nachweis
Voraussetzung ausreichend Einkommensteuer keine Steuerlast nötig keine Steuerlast nötig

Rechenbeispiel (Annahmen: selbstgenutztes Einfamilienhaus, Baujahr 1985, jährliche Einkommensteuer deutlich über 5.000 €, Abschluss 2027)

Vorhaben § 35c EStG Zuschuss Besser
Neue Fenster 22.000 € 1.540 + 1.540 + 1.320 = 4.400 € BAFA ohne iSFP: 3.300 € § 35c
Dach und Fassade 60.000 € 4.200 + 4.200 + 3.600 = 12.000 € BAFA mit iSFP: 15 % × 60.000 € + 5 % × 30.000 € = 10.500 € § 35c
Wärmepumpe 30.000 €, zvE 60.000 €, Ölheizung 6.000 € KfW 458: 46 % × 28.000 € = 12.880 € KfW

Der Steuerbonus setzt voraus, dass Sie in jedem der drei Jahre mindestens so viel Einkommensteuer zahlen, wie abgezogen werden soll. Bei den Fenstern sind das 1.540 € im ersten Jahr. Liegt die Steuer darunter, verfällt der Rest, denn ermäßigt wird nur die tatsächliche Steuer. Bei niedrigen Einkommen ist der Zuschuss daher fast immer die bessere Wahl. Zudem kommt der Zuschuss als Einmalzahlung, der Steuerbonus erst mit drei Steuerbescheiden.

In fünf Schritten zum Steuerbonus

  1. Prüfen, ob Gebäude älter als 10 Jahre ist und selbst bewohnt wird; keine Förderung für dieselbe Maßnahme beantragen.
  2. Fachunternehmen beauftragen; im Auftrag vereinbaren, dass es die Bescheinigung nach amtlichem Muster ausstellt.
  3. Per Überweisung bezahlen; Rechnung auf Deutsch mit Arbeitsleistung und Adresse aufbewahren.
  4. Bescheinigung nach Abschluss anfordern; sie bestätigt die Einhaltung der Mindestanforderungen.
  5. Steuererklärung: im Jahr des Abschlusses und in den zwei Folgejahren die Anlage für energetische Maßnahmen ausfüllen. Für die Erklärung insgesamt hilft unser Ratgeber Steuererklärung mit PV und Wärmepumpe.

Typische Fehler

  • Abschluss zu spät: Maßnahmen, die erst 2030 fertig werden, fallen nach heutigem Recht heraus. Abschluss heißt: vor dem 01.01.2030.
  • Zuschuss und Steuerbonus für dieselben Fenster: unzulässig; im Zweifel wird die Steuerermäßigung versagt.
  • Barzahlung oder Zahlung über Dritte: nicht begünstigt.
  • Vermietung im zweiten Jahr: Wer auszieht und vermietet, verliert die Ermäßigung für die Folgejahre.
  • Fehlende Bescheinigung: Eine normale Rechnung reicht dem Finanzamt nicht.

Quellen und Stand

Stand: 2. November 2026. Eine inhaltliche Änderung von § 35c seit 2020 ist nicht bekannt. Diese Seite ersetzt keine Steuerberatung.

Häufige Fragen & Antworten (FAQ)

20 % der Kosten, verteilt auf drei Jahre: 7 % im Jahr des Abschlusses, 7 % im Folgejahr und 6 % im dritten Jahr. Insgesamt höchstens 40.000 € je Objekt, das entspricht 200.000 € Kosten.

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