So funktioniert der Steuerbonus
Die Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen steht in § 35c EStG. Sie mindert nicht das Einkommen, sondern direkt die festgesetzte Einkommensteuer. Einen Förderantrag vor Beginn gibt es nicht: Sie beantragen die Ermäßigung nach Abschluss mit der Steuererklärung.
| Jahr | Ermäßigung | Höchstbetrag |
|---|---|---|
| Jahr des Abschlusses | 7 % der Aufwendungen | 14.000 € |
| Folgejahr | 7 % der Aufwendungen | 14.000 € |
| Drittes Jahr | 6 % der Aufwendungen | 12.000 € |
| Summe | 20 % | 40.000 € je Objekt (≙ 200.000 € Kosten) |
Begünstigt sind nach Abs. 1: Dämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken, Erneuerung von Fenstern oder Außentüren, Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage, Erneuerung der Heizungsanlage, digitale Systeme zur Betriebs- und Verbrauchsoptimierung sowie die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, die älter als zwei Jahre sind. Die technischen Mindestanforderungen regelt die Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV).
Energieberater: Beauftragen Sie einen vom BAFA zugelassenen Energieberater mit der Planung oder Bauaufsicht, mindern seine Kosten die Steuer um 50 % statt 20 %. Sie zählen zum Höchstbetrag von 40.000 €.
Voraussetzungen
- Selbstnutzung: Das Gebäude oder die Eigentumswohnung wird im jeweiligen Kalenderjahr ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt, und zwar in allen drei Jahren. Unentgeltliche Überlassung von Teilen an Angehörige ist unschädlich, Vermietung nicht.
- Alter: Das Gebäude ist bei Durchführung der Maßnahme älter als 10 Jahre (maßgeblich ist der Beginn der Herstellung).
- Fachunternehmen: Eigenleistung ist nicht begünstigt.
- Rechnung und Zahlung: Rechnung auf Deutsch mit Maßnahme, Arbeitsleistung und Objektadresse; Zahlung auf das Konto des Unternehmens, keine Barzahlung.
- Bescheinigung: Das ausführende Fachunternehmen bestätigt die Voraussetzungen auf dem amtlich vorgeschriebenen Muster des Bundesfinanzministeriums.
- Zeitraum: Beginn nach dem 31.12.2019, Abschluss vor dem 01.01.2030 (§ 52 EStG).
- Miteigentum: Gehört das Objekt mehreren Personen, gibt es die Ermäßigung insgesamt nur einmal.
Kombinationsverbot
Nach § 35c Abs. 3 ist der Bonus ausgeschlossen, wenn für dieselbe Maßnahme
- ein steuerfreier Zuschuss (KfW 458, BAFA BEG EM) oder ein zinsverbilligter Kredit (z. B. Ergänzungskredit 358/359) genutzt wird,
- die Kosten als Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung angesetzt werden,
- eine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG oder § 10f EStG beansprucht wird.
Das Verbot bezieht sich auf die einzelne Maßnahme. Viele Eigentümer kombinieren deshalb: Heizung über die KfW 458, Fenster oder Dach über § 35c. Klären Sie die Aufteilung im Zweifel vorab mit dem Finanzamt oder einer Steuerberatung.
Steuerbonus oder Zuschuss? Der Vergleich
| Kriterium | § 35c EStG | BAFA BEG EM (Hülle, Lüftung) | KfW 458 (Heizung) |
|---|---|---|---|
| Satz | 20 % über 3 Jahre | 15 % (+5 % iSFP-Bonus oberhalb 30.000 €) | 30 % + Boni, max. 70/80 % |
| Bemessungsgrenze | 200.000 € je Objekt, gesamt | 30.000 € je Jahr (60.000 € mit iSFP) für die 1. WE | 28.000 € für die 1. WE (sinkt ab 02/2027) |
| Wer | nur Selbstnutzer | Eigentümer, auch Vermieter | Eigentümer, Boni nur Selbstnutzer |
| Antrag vorab | nein | ja, vor Vorhabenbeginn | ja, vor Vorhabenbeginn |
| Experte nötig | nein | ja (Energieberater-Pflicht) | nein |
| Geld fließt | mit den Steuerbescheiden über 3 Jahre | nach Verwendungsnachweis | nach Nachweis |
| Voraussetzung | ausreichend Einkommensteuer | keine Steuerlast nötig | keine Steuerlast nötig |
Rechenbeispiel (Annahmen: selbstgenutztes Einfamilienhaus, Baujahr 1985, jährliche Einkommensteuer deutlich über 5.000 €, Abschluss 2027)
| Vorhaben | § 35c EStG | Zuschuss | Besser |
|---|---|---|---|
| Neue Fenster 22.000 € | 1.540 + 1.540 + 1.320 = 4.400 € | BAFA ohne iSFP: 3.300 € | § 35c |
| Dach und Fassade 60.000 € | 4.200 + 4.200 + 3.600 = 12.000 € | BAFA mit iSFP: 15 % × 60.000 € + 5 % × 30.000 € = 10.500 € | § 35c |
| Wärmepumpe 30.000 €, zvE 60.000 €, Ölheizung | 6.000 € | KfW 458: 46 % × 28.000 € = 12.880 € | KfW |
Der Steuerbonus setzt voraus, dass Sie in jedem der drei Jahre mindestens so viel Einkommensteuer zahlen, wie abgezogen werden soll. Bei den Fenstern sind das 1.540 € im ersten Jahr. Liegt die Steuer darunter, verfällt der Rest, denn ermäßigt wird nur die tatsächliche Steuer. Bei niedrigen Einkommen ist der Zuschuss daher fast immer die bessere Wahl. Zudem kommt der Zuschuss als Einmalzahlung, der Steuerbonus erst mit drei Steuerbescheiden.
In fünf Schritten zum Steuerbonus
- Prüfen, ob Gebäude älter als 10 Jahre ist und selbst bewohnt wird; keine Förderung für dieselbe Maßnahme beantragen.
- Fachunternehmen beauftragen; im Auftrag vereinbaren, dass es die Bescheinigung nach amtlichem Muster ausstellt.
- Per Überweisung bezahlen; Rechnung auf Deutsch mit Arbeitsleistung und Adresse aufbewahren.
- Bescheinigung nach Abschluss anfordern; sie bestätigt die Einhaltung der Mindestanforderungen.
- Steuererklärung: im Jahr des Abschlusses und in den zwei Folgejahren die Anlage für energetische Maßnahmen ausfüllen. Für die Erklärung insgesamt hilft unser Ratgeber Steuererklärung mit PV und Wärmepumpe.
Typische Fehler
- Abschluss zu spät: Maßnahmen, die erst 2030 fertig werden, fallen nach heutigem Recht heraus. Abschluss heißt: vor dem 01.01.2030.
- Zuschuss und Steuerbonus für dieselben Fenster: unzulässig; im Zweifel wird die Steuerermäßigung versagt.
- Barzahlung oder Zahlung über Dritte: nicht begünstigt.
- Vermietung im zweiten Jahr: Wer auszieht und vermietet, verliert die Ermäßigung für die Folgejahre.
- Fehlende Bescheinigung: Eine normale Rechnung reicht dem Finanzamt nicht.
Quellen und Stand
- § 35c EStG – Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen
- § 52 EStG – Anwendungsvorschriften (Abs. 35a)
- § 35a EStG – Handwerkerleistungen
- Förderrichtlinie BEG EM vom 17.07.2026 (Vergleichswerte BAFA/KfW)
Stand: 2. November 2026. Eine inhaltliche Änderung von § 35c seit 2020 ist nicht bekannt. Diese Seite ersetzt keine Steuerberatung.




