Was der Ergänzungskredit ist
Der Ergänzungskredit schließt die Lücke zwischen Zuschuss und Rechnung. Er ist kein eigenständiges Förderprogramm: Ohne vorherige Zuschussförderung nach der BEG EM gibt es ihn nicht. Grundlage ist das KfW-Merkblatt 358/359, gültig ab 24.09.2026, dazu die Förderrichtlinie BEG EM (Nr. 8.3.1 c, 8.5).
Voraussetzung ist eine Zuschusszusage der KfW (Heizung, Programm 458 oder 459) und/oder ein Zuwendungsbescheid des BAFA (Hülle, Anlagentechnik, siehe BAFA BEG EM). Diese Zusage darf laut Merkblatt nicht älter als 12 Monate und noch nicht ausgezahlt sein.
358 oder 359: der Unterschied
| Merkmal | 358 „Ergänzungskredit Plus“ | 359 „Ergänzungskredit“ |
|---|---|---|
| Wer | natürliche Personen, die ein Einfamilienhaus oder ihr Sondereigentum in einer WEG selbst bewohnen | Privatpersonen, WEG, Vermieter, Unternehmen, GbR, Vereine, Körperschaften |
| Einkommensgrenze | zvE des Haushalts bis 90.000 € (Durchschnitt 2. und 3. Jahr vor Antrag) | keine |
| Zinsvorteil | Verbilligung aus Bundesmitteln in der ersten Zinsbindung | marktnaher KfW-Zins ohne Zusatzverbilligung |
| Kreditbetrag | bis 100 % der förderfähigen Kosten, max. 120.000 € für die selbst bewohnte WE | bis 100 % der förderfähigen Kosten, max. 120.000 € je WE |
| Mehrfamilienhaus, Gemeinschaftseigentum WEG | nicht möglich | ja, ausschließlich über 359 |
| Zusätzliche Unterlagen | Grundbuchauszug, Meldebestätigungen, Einkommensteuerbescheide | keine Einkommensnachweise |
Laut Richtlinie kann die Verbilligung bei 358 bis zu 2,5 Prozentpunkte unter den KfW-Refinanzierungskonditionen liegen (Referenz: 30 Jahre Laufzeit, 10 Jahre Zinsbindung). Wie hoch der Zins am Tag Ihrer Zusage tatsächlich ist, zeigt nur die KfW-Konditionenübersicht; die Produktseiten nennen derzeit keine festen Werte. Es gilt der Zins am Tag der Zusage oder, falls günstiger, der am Tag des Antragseingangs.
Die Einkommensgrenze von 90.000 € wird wie beim Einkommensbonus berechnet: Durchschnitt der zu versteuernden Einkommen aus dem zweiten und dritten Jahr vor dem Antrag, nachgewiesen nur mit Einkommensteuerbescheiden.
Laufzeiten, Abruf und Tilgung
| Variante | Laufzeit | Tilgungsfreie Jahre | Zinsbindung |
|---|---|---|---|
| Annuität kurz | bis 5 Jahre | 1 | gesamte Laufzeit |
| Endfällig | bis 10 Jahre | gesamte Laufzeit (Tilgung am Ende) | gesamte Laufzeit |
| Annuität | bis 10 Jahre | 1 bis 2 | gesamte Laufzeit |
| Annuität | bis 25 Jahre | 1 bis 3 | 10 Jahre |
| Annuität | bis 35 Jahre | 1 bis 5 | 10 Jahre |
- Mindestlaufzeit 4 Jahre.
- Abruffrist 12 Monate nach Zusage, automatisch um bis zu 24 Monate verlängert. Ab dem 13. Monat kostet nicht abgerufenes Geld 0,15 % pro Monat Bereitstellungsprovision.
- Abgerufene Beträge müssen innerhalb von 12 Monaten verwendet werden.
- Sondertilgungen ab 5.000 € sind in der ersten Zinsbindung kostenfrei.
- Neu seit 24.09.2026: Für neue Zusagen entfällt laut Öko-Zentrum NRW (unter Berufung auf ein KfW-Rundschreiben) die Pflicht, zwischenfinanzierte Zuschussbeträge vorzeitig teilweise zurückzuzahlen.
Rechenbeispiel (Annahmen: Selbstnutzer, zvE 60.000 €, Wärmepumpe 30.000 € mit KfW-Zusage über 28.000 € förderfähige Kosten, neue Fenster 22.000 € mit BAFA-Bescheid; Zinssätze sind frei gewählte Rechenwerte, keine KfW-Konditionen)
Maximaler Kreditbetrag: Der Kredit richtet sich nach den förderfähigen Kosten der Zusagen, nicht nach dem Eigenanteil. KfW und BAFA dürfen addiert werden: 28.000 € + 22.000 € = 50.000 €. Die 2.000 € der Wärmepumpe über dem Höchstbetrag sind nicht mitfinanzierbar.
Wie viel davon nötig ist: Gesamtkosten 52.000 €. Zuschüsse: KfW 15.680 € (56 % nach Rechenbeispiel im Artikel zur KfW 458) und BAFA 3.300 € (15 % von 22.000 €), zusammen 18.980 €. Eigenanteil 33.020 €. Wer den Kredit nur für den Eigenanteil nutzt, beantragt rund 33.000 €; wer die Zuschüsse zwischenfinanzieren muss, bis 50.000 €.
Zinskosten im ersten Jahr bei 33.000 € (tilgungsfrei):
| Angenommener Sollzins | Zinsen pro Jahr |
|---|---|
| 2,0 % | 660 € |
| 3,0 % | 990 € |
| 4,0 % | 1.320 € |
Jeder Prozentpunkt kostet hier also rund 330 € pro Jahr. Den echten Zins für Ihren Fall erfahren Sie über die Konditionenübersicht und Ihre Bank.
Antrag Schritt für Schritt
- Zuschuss beantragen und Zusage (KfW) bzw. Zuwendungsbescheid (BAFA) abwarten.
- Innerhalb von 12 Monaten nach dieser Zusage bei einem frei wählbaren Finanzierungspartner (Bank, Sparkasse, Bausparkasse, Versicherung) den Kredit beantragen. Für die Frist zählt der Eingang bei der KfW.
- Unterlagen einreichen: Zuschusszusage und/oder Bescheid; bei 358 zusätzlich Grundbuchauszug, Meldebestätigungen und Einkommensteuerbescheide aller relevanten Haushaltsmitglieder.
- Kredit abrufen, Vorhaben umsetzen.
- Spätestens 3 Monate nach Auszahlungsbestätigung (KfW) bzw. Festsetzungsbescheid (BAFA) der Bank nachweisen, dass das Geld bestimmungsgemäß verwendet wurde. Sonst kann die Bank den Kredit kündigen.
Typische Fehler
- Kredit vor dem Zuschuss beantragen: geht nicht; die Zusage muss vorliegen.
- Zuschuss schon ausgezahlt: Dann ist der Ergänzungskredit nicht mehr möglich.
- Frist von 12 Monaten verpasst: Die Frist läuft ab Datum der Zuschusszusage.
- Zusatzantrag in der WEG als Grundlage: Boni-Zusatzanträge einzelner Eigentümer begründen keinen eigenen Ergänzungskredit; Basis ist der WEG-Antrag über 359.
- Aufstockung geplant: Der Kreditbetrag kann nach Antrag nicht erhöht werden. Lieber den Bedarf gleich vollständig ansetzen.
- Steuerbonus erwartet: Ein zinsverbilligter Kredit schließt den Steuerbonus nach § 35c EStG für dieselbe Maßnahme aus. Auch § 35a EStG (Handwerkerleistungen) ist bei geförderten Maßnahmen betroffen.
Für komplette Sanierungen zum Effizienzhaus ist nicht der Ergänzungskredit, sondern der KfW-Kredit 261 mit bis zu 150.000 € je Wohneinheit gedacht.
Quellen und Stand
- KfW-Merkblatt 358/359, Stand 09/2026, gültig ab 24.09.2026
- Förderrichtlinie BEG EM, Nr. 8.3.1 c und 8.5
- KfW-Konditionenübersicht (aktuelle Zinssätze)
- Öko-Zentrum NRW: Zusammenfassung BEG-Reform, Stand 18.08.2026
Stand: 2. November 2026. Zinssätze ändern sich laufend; aktueller Zins siehe KfW-Konditionenübersicht.




