Die Stromnetzentgelte machen 20 bis 30 Prozent der privaten Stromrechnung aus — und sie sinken 2026 so stark wie nie zuvor. Die Bundesregierung schießt 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zu, um die Netzkosten zu dämpfen. Doch die Entlastung fällt regional sehr unterschiedlich aus. Während Haushalte in Niedersachsen nur 7,3 Cent pro Kilowattstunde für das Netz zahlen, sind es in Nordrhein-Westfalen 14,1 Cent (Brandenburg: 9,2 Ct/kWh). Welche Faktoren dahinterstecken, wie viel Sie persönlich sparen und warum die Gasnetzentgelte gleichzeitig steigen — dieser Ratgeber gibt die Antworten.
Die Netzentgelte sind die Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. Sie decken die Kosten für Bau, Betrieb, Wartung und Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze. Jeder Stromkunde zahlt sie über den Strompreis an seinen Versorger, der die Netzentgelte an den regionalen Netzbetreiber weiterleitet. Netzentgelte sind der zweitgrößte Posten auf der Stromrechnung — nach den Beschaffungskosten für die Energie selbst.
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 bei etwa 32 bis 33 Cent pro Kilowattstunde. Davon entfallen rund 10 Cent auf Netzentgelte, etwa 13 Cent auf Stromerzeugung und -beschaffung, 7 Cent auf Steuern und Abgaben sowie 2 bis 3 Cent auf die Mehrwertsteuer. Die Netzentgelte sind damit der größte staatlich beeinflusste Kostenblock.
Die übrigen Positionen setzen sich aus der Stromsteuer (2,05 Ct/kWh), der Konzessionsabgabe (1,5 bis 2,5 Ct/kWh), der KWKG-Umlage (0,25 Ct/kWh), der Offshore-Netzumlage (0,4 Ct/kWh) und der Mehrwertsteuer zusammen. Dank des Wegfalls der EEG-Umlage im Jahr 2022 ist der Strompreis bereits gesunken — und 2026 folgt der nächste Schritt.
Die Bundesregierung hat für 2026 einen einmaligen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) beschlossen. Das Geld fließt an die vier Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, Tennet, TransnetBW), die es an die nachgelagerten Verteilnetzbetreiber weitergeben.
Das ist der Grund, warum die Netzentgelte 2026 um durchschnittlich 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Ohne diesen Zuschuss wären die Netzentgelte vermutlich gestiegen — denn der Ausbau der Stromnetze für die Energiewende kostet Milliardensummen.
Die politische Entscheidung hat zwei Ziele: Sie entlastet private Haushalte und Unternehmen von den hohen Energiekosten und sie stabilisiert den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Koalition hat bereits angekündigt, dass für die Jahre 2027 bis 2029 weitere 26 Milliarden Euro bereitstehen sollen — die Netzentgelte könnten also auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben.
Die Netzentgelte variieren in Deutschland erheblich. Die Spanne reicht von 7,3 Cent pro Kilowattstunde in Niedersachsen (Brandenburg: 9,2 Ct/kWh) bis 14,1 Cent pro Kilowattstunde in Nordrhein-Westfalen. Diese Unterschiede haben mehrere Ursachen:
| Bundesland | Netzbetreiber | Netzentgelt (brutto) | Jahreskosten 4.000 kWh |
|---|---|---|---|
| Niedersachsen | EWE Netz | 7,3 Ct/kWh | 292 € |
| Bremen | Wesernetz | 8,9 Ct/kWh | 356 € |
| Bayern | Bayernwerk Netz | 9,0 Ct/kWh | 360 € |
| Brandenburg | E.DIS Netz | 9,2 Ct/kWh | 368 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | WEMAG Netz | 9,5 Ct/kWh | 380 € |
| Thüringen | Thüringer Energienetze | 9,6 Ct/kWh | 384 € |
| Sachsen-Anhalt | MITNETZ Strom | 10,0 Ct/kWh | 400 € |
| Berlin | Stromnetz Berlin | 10,0 Ct/kWh | 400 € |
| Hessen | EAM Netz | 10,1 Ct/kWh | 404 € |
| Schleswig-Holstein | SH Netz | 10,8 Ct/kWh | 432 € |
| Baden-Württemberg | Netze BW | 11,9 Ct/kWh | 476 € |
| Sachsen | SachsenNetze | 12,1 Ct/kWh | 484 € |
| Saarland | energienetz saar | 12,6 Ct/kWh | 504 € |
| Rheinland-Pfalz | EWR Netze | 13,6 Ct/kWh | 544 € |
| Hamburg | Hamburger Energienetze | 14,0 Ct/kWh | 560 € |
| Nordrhein-Westfalen | Westnetz | 14,1 Ct/kWh | 564 € |
Besonders auffällig: Mit 7,3 Ct/kWh profitiert Niedersachsen (EWE Netz) am stärksten vom Bundeszuschuss, während Westnetz in NRW mit 14,1 Ct/kWh die höchsten Netzentgelte erhebt — fast das Doppelte. Grund dafür sind die unterschiedlichen Kostenstrukturen der Netzbetreiber und die regionale Verteilung der Erneuerbare-Energien-Anlagen. In Brandenburg dämpft zudem die Reform der Netzkostenverteilung (§ 19 StromNEV) den Anstieg.
Während die Stromnetzentgelte sinken, steigen die Gasnetzentgelte. Im Durchschnitt werden sie 2026 um etwa 11 Prozent teurer. Für einen Haushalt mit 20.000 kWh Gasverbrauch bedeutet das Mehrkosten von rund 61 Euro brutto pro Jahr.
Der Grund: Die Gasinfrastruktur wird weniger genutzt (immer mehr Haushalte steigen auf Wärmepumpen um), die Fixkosten verteilen sich auf weniger Kunden — und steigen damit pro Kopf. Hinzu kommen die Kosten für die Umstellung auf Wasserstoff (H2-Ready) in den Gasnetzen, die die Betreiber auf die Kunden umlegen.
Die steigenden Gasnetzentgelte sind ein weiteres Argument, den Umstieg auf eine Wärmepumpe zu prüfen. Denn die Betriebskosten einer Wärmepumpe hängen vom Strompreis ab — und der sinkt 2026 unter anderem wegen der niedrigeren Netzentgelte.
Die Entlastung durch niedrigere Netzentgelte erreicht die Verbraucher nicht automatisch. Die Stromversorger sind nicht verpflichtet, die gesunkenen Netzentgelte direkt weiterzugeben. In der Praxis passiert dies in der Regel bei der nächsten Preisanpassung oder wenn der Kunde den Tarif wechselt.
Ein dynamischer Stromtarif bildet die Netzentgelte direkt ab und gibt die Senkung sofort weiter. Voraussetzung ist ein Smart Meter (iMSys), der auch für Wärmepumpen-Besitzer ohnehin Pflicht wird.
Die Bundesregierung hat angekündigt, die Netzentgelt-Stabilisierung fortzusetzen. Für die Jahre 2027 bis 2029 sind insgesamt 26 Milliarden Euro eingeplant. Das bedeutet: Auch in den kommenden Jahren können Haushalte mit stabilen oder sinkenden Netzentgelten rechnen.
Allerdings ist die Finanzierung nicht unumstritten. Die Mittel stammen aus dem KTF, der auch für andere Klimaschutzprojekte benötigt wird. Sollte der Bundeshaushalt unter Druck geraten, könnten die Zuschüsse gekürzt werden. Eine dauerhafte Lösung ist die vollständige Übernahme der Netzkosten in den Bundeshaushalt — darüber wird derzeit politisch diskutiert.
Die Senkung der Netzentgelte ist eine der größten Strompreis-Entlastungen der letzten Jahre. Mit durchschnittlich 100 bis 160 Euro Ersparnis pro Jahr spüren Haushalte die Entlastung deutlich. Wer seinen Stromtarif optimiert und auf eine Wärmepumpe setzt, profitiert gleich mehrfach: niedrigere Netzentgelte, günstigerer WP-Strom und hohe staatliche Förderung für den Heizungstausch.
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