«Funktioniert die Wärmepumpe auch im Winter?» — das ist die meistgestellte Frage von Hausbesitzern, die über den Umstieg auf eine Wärmepumpe nachdenken. Die Antwort lautet: Ja, und zwar besser als viele denken. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten auch bei −15 °C effizient, und mit dem Kältemittel R290 (Propan) erreichen sie selbst bei zweistelligen Minusgraden noch ausreichend hohe Vorlauftemperaturen. Dieser Ratgeber räumt mit den hartnäckigsten Winter-Mythen auf, erklärt die Physik des Abtauvorgangs und zeigt anhand von Praxisbeispielen, warum die Wärmepumpe auch im kältesten Winter zuverlässig heizt.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme — selbst bei Minusgraden. Der physikalische Trick: Das Kältemittel im Kreislauf verdampft bei sehr niedrigen Temperaturen (R290: −42 °C, R32: −52 °C). Solange die Außentemperatur über dem Siedepunkt des Kältemittels liegt, kann die Wärmepumpe Wärme aufnehmen.
Der entscheidende Wert ist der COP (Coefficient of Performance) — das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom:
| Außentemperatur | COP (Luft-WP mit R290) | Aus 1 kWh Strom werden |
|---|---|---|
| +10 °C | 5,0–6,0 | 5–6 kWh Wärme |
| +2 °C | 4,0–4,5 | 4–4,5 kWh Wärme |
| −5 °C | 3,0–3,5 | 3–3,5 kWh Wärme |
| −10 °C | 2,5–2,8 | 2,5–2,8 kWh Wärme |
| −15 °C | 2,0–2,3 | 2–2,3 kWh Wärme |
| −20 °C | 1,7–2,0 | 1,7–2 kWh Wärme |
Selbst bei −15 °C holt die Wärmepumpe aus 1 kWh Strom noch 2–2,3 kWh Wärme — das ist immer noch doppelt so effizient wie ein Heizstab (der aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme macht).
Zum Vergleich: In Deutschland gibt es pro Jahr durchschnittlich nur 10–15 Tage mit Temperaturen unter −5 °C. An den übrigen 350 Tagen läuft die Wärmepumpe mit COP-Werten von 3,0–6,0 — im Jahresschnitt ergibt das eine ordentliche JAZ von 3,5–4,5.
Neben dem COP (Momentanwert) ist der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) der relevante Wert für die Winter-Performance. Er misst die durchschnittliche Effizienz über die gesamte Heizperiode (nicht nur einen einzelnen Messpunkt). Der SCOP wird nach EN 14825 in drei Klimazonen gemessen:
| Klimazone | SCOP (durchschnittliche Luft-WP) |
|---|---|
| Warm (Athen) | 5,0–6,5 |
| Mittel (Berlin) | 3,5–4,5 |
| Kalt (Helsinki) | 3,0–3,8 |
Deutschland liegt in der mittleren Klimazone. Ein SCOP von 3,5–4,5 bedeutet: Über die gesamte Heizperiode (Oktober–April) erhalten Sie aus 1 kWh Strom 3,5–4,5 kWh Wärme.
Bei Außentemperaturen unter +5 °C und hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich Reif auf dem Verdampfer (der Lamellenstruktur des Außengeräts). Dieser Reif isoliert den Verdampfer und reduziert die Effizienz. Die Wärmepumpe muss abtauen.
Der Abtauvorgang läuft wie folgt ab:
Ein Abtauzyklus kostet etwa 0,05–0,15 kWh Strom — bei 2–4 Zyklen pro Tag sind das 0,2–0,6 kWh pro Tag. Das entspricht 3–5 Prozent des Tagesverbrauchs der WP im Winter. Der Abtauvorgang ist also kein Stromfresser, sondern ein normaler Teil des Winterbetriebs.
Das Kältemittel R290 (Propan) ist der entscheidende Gamechanger für den Winterbetrieb. Im Vergleich zu älteren Kältemitteln (R410A) erreicht R290 deutlich höhere Vorlauftemperaturen:
| Kältemittel | Maximale Vorlauftemperatur | GWP |
|---|---|---|
| R410A | 55 °C | 2.088 |
| R32 | 60 °C | 675 |
| R290 (Propan) | 75 °C | 3 |
Warum ist die Vorlauftemperatur wichtig? Alte Heizkörper (Baujahr vor 1990) benötigen Vorlauftemperaturen von 55–65 °C, um das Haus ausreichend zu erwärmen. Eine WP mit R410A (max. 55 °C) schafft das im Winter oft nicht — der Heizstab springt ein (teuer). Eine WP mit R290 liefert auch bei −10 °C noch 60–65 °C Vorlauf. Das bedeutet: Auch Altbauten mit Heizkörpern können mit einer R290-Wärmepumpe effizient beheizt werden.
Der Heizstab (1–9 kW, je nach WP-Größe) ist ein elektrischer Zusatzheizer, der in Extremfällen einspringt:
Der Heizstab-Mythos: Viele glauben, der Heizstab läuft den ganzen Winter durch und treibt die Stromkosten in die Höhe. Das ist falsch. Bei korrekt dimensionierten Anlagen deckt der Heizstab weniger als 5 Prozent der jährlichen Heizarbeit ab. Bei einer R290-WP sind es sogar weniger als 3 Prozent.
Norwegen ist das beste Argument für die Wintertauglichkeit von Wärmepumpen. Über 60 Prozent aller norwegischen Haushalte heizen mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe — in einem Land, in dem Wintertemperaturen von −20 °C im Landesinneren die Regel sind. Trotz Kälte liegt die durchschnittliche JAZ norwegischer Wärmepumpen bei 3,0–3,3 — immer noch dreimal effizienter als ein Heizstab.
Die norwegische Erfahrung zeigt: Eine Wärmepumpe funktioniert auch bei strengem Frost — vorausgesetzt, sie ist korrekt dimensioniert und verwendet ein modernes Kältemittel (R290).
Der Stromverbrauch der Wärmepumpe schwankt im Jahresverlauf stark:
| Monat | Außentemperatur Ø | Heizwärmebedarf | Stromverbrauch (JAZ 3,5) |
|---|---|---|---|
| Januar | +2 °C | 2.500 kWh | 714 kWh |
| Februar | +3 °C | 2.100 kWh | 600 kWh |
| März | +7 °C | 1.700 kWh | 486 kWh |
| April | +12 °C | 1.000 kWh | 286 kWh |
| Juli | +20 °C | 0 kWh (nur WW) | 80 kWh |
| Oktober | +11 °C | 1.100 kWh | 314 kWh |
| Dezember | +3 °C | 2.200 kWh | 629 kWh |
| Jahressumme | — | 20.000 kWh | 5.714 kWh |
Im kältesten Monat (Januar) verbraucht die WP etwa 9× mehr Strom als im wärmsten Heizmonat (Juli mit nur Warmwasser). Das ist normal und im Strompreis einkalkuliert — mit einem WP-Stromtarif (22–26 Ct/kWh) liegen die jährlichen Stromkosten bei 1.250–1.500 €.
Mythos 1: «Die Wärmepumpe funktioniert nicht unter 0 °C.»
Falsch. Moderne Luft-WP arbeiten bis −20 °C effizient — in Norwegen bei −20 °C bewiesen. Der COP sinkt zwar, bleibt aber >2,0.
Mythos 2: «Der Heizstab läuft den ganzen Winter durch.»
Falsch. Der Heizstab deckt <5 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs ab, meist nur für den Abtauvorgang und die Legionellenschaltung. Bei korrekt dimensionierten R290-WP sind es <3 Prozent.
Mythos 3: «Die Stromrechnung explodiert im Winter.»
Im Januar ist der Verbrauch tatsächlich 9× höher als im Juli — aber das ist für alle Heizungen normal (auch eine Gasheizung braucht im Winter mehr). Der absolute Strompreis bleibt durch den WP-Tarif (22–26 Ct/kWh) bezahlbar.
Mythos 4: «Ohne Fußbodenheizung geht es nicht.»
Falsch. Eine R290-WP mit 75 °C Vorlauf kann auch Heizkörper bedienen. In Altbauten kann ein hydraulischer Abgleich und der Tausch einzelner Heizkörper nötig sein — das ist aber einmalig und kostet 1.000–4.000 €.
Wenn Sie bereits eine Wärmepumpe haben oder eine planen, sollten Sie folgende Punkte prüfen:
Die Wärmepumpe ist auch bei Minusgraden eine hocheffiziente und zuverlässige Heizung. Moderne R290-Geräte liefern selbst bei −15 °C ausreichend Wärme für den deutschen Winter. Der Stromverbrauch steigt im Winter an — das ist normal und für alle Heizungen gleich. Die Investition in eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit R290 lohnt sich doppelt: niedrige Betriebskosten und keine Angst mehr vor kalten Tagen.
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