PV-Ertrag berechnen: kWh pro kWp nach Region

Eine PV-Anlage erzeugt je kWp installierter Leistung in Deutschland bei Südausrichtung und 35° Neigung zwischen rund 987 kWh (Hamburg) und 1.139 kWh (München) pro Jahr, so die EU-Datenbank PVGIS. Ost-West-Dächer liegen bei etwa 81 % davon. Mit der Formel kWp = Jahresverbrauch ÷ Ertrag pro kWp rechnen Sie, wie groß die Anlage sein muss: Für 10.000 kWh sind es in Berlin etwa 9,5 kWp bei Süd-, 11,7 kWp bei Ost-West-Ausrichtung.

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Auf einen Blick

Inhaltsverzeichnis

Woher die Zahlen stammen

Die Ertragswerte in diesem Artikel stammen aus PVGIS der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (PVGIS). Wir haben die Werte am 02.11.2026 abgerufen: Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH3, Mittel der Jahre 2005–2023, 1 kWp kristalline Siliziummodule, 14 % Systemverluste (Standardannahme), frei aufgeständerte Module. Für Ihr konkretes Dach können Sie dieselbe Abfrage selbst machen. Der PV-Ertragsrechner auf dieser Seite hilft bei der Überschlagsrechnung.

PVGIS ist ein Modell, keine Garantie: Verschattung durch Gebäude und Bäume, Verschmutzung, Alterung der Module und Wechselrichterverluste kommen in der Praxis hinzu. Im Mittel schwankt der Jahresertrag um rund 6 % (in Berlin bei Süd, 35°: Standardabweichung 60 kWh/kWp).

Ertrag nach Region und Ausrichtung

Alle Werte in kWh pro kWp und Jahr, gerundet. Südost und Südwest sind bei gleicher Neigung gleichwertig.

Standort Süd 35° Süd 15° Südost/Südwest 35° Ost-West 20° (Mittel) Flach 0°
Hamburg 987 923 935 806 822
Berlin 1.058 986 1.001 856 874
Köln 1.038 972 984 849 866
Leipzig 1.078 1.007 1.017 875 894
Frankfurt 1.080 1.018 1.026 892 912
Stuttgart 1.130 1.061 1.067 923 945
Freiburg 1.118 1.050 1.058 915 937
München 1.139 1.066 1.069 927 948

Ablesen: Der Unterschied zwischen Hamburg und München beträgt bei gleicher Ausrichtung rund 150 kWh/kWp, also rund 15 %. Die Ausrichtung wirkt etwa gleich stark: Ost-West erreicht in Berlin 856 ÷ 1.058 = 81 % des Südertrags. Für Ost-West sprechen eine flachere Tageskurve und niedrigere Mittagsspitzen, was zur 60-%-Einspeisegrenze passt (siehe Fallstricke).

Neigung und senkrechte Montage

Berlin kWh pro kWp und Jahr
Süd, 35° 1.058
Süd, 60° 1.013
Süd, 15° 986
Flach, 0° 874
Süd, 90° (Balkon, Fassade) 766
Ost oder West, 90° 533 bzw. 520

Das erklärt, warum Balkonkraftwerke deutlich weniger liefern als Dachanlagen; Beispielrechnungen dazu finden Sie im Artikel Balkonkraftwerk anmelden und Regeln.

Monatsverteilung: Der Winter ist schwach

In Berlin liefert 1 kWp bei Süd, 35° im Jahr 1.057,5 kWh. Die Monatswerte (kWh pro kWp):

Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun
Ertrag 32 56 91 122 132 133
Monat Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Ertrag 130 122 103 71 39 28

April bis September liefern 740,9 kWh, das sind 70 % des Jahresertrags. Das zählt für die Frage, wie viel Strom Sie im Winter noch selbst erzeugen.

Formel und Rechenbeispiel

Jahresertrag = Anlagenleistung (kWp) × spezifischer Ertrag (kWh/kWp)

Umgekehrt: benötigte Leistung = Jahresverbrauch ÷ spezifischer Ertrag.

Wie viel Photovoltaik brauche ich für 10.000 kWh? (Annahmen)

Bilanzielle Rechnung: Die Anlage soll über das Jahr ebenso viel Strom erzeugen, wie Sie verbrauchen. Ergebnis je Standort und Ausrichtung:

Standort und Ausrichtung Rechnung Benötigte Leistung
Berlin, Süd 35° 10.000 ÷ 1.058 9,5 kWp
München, Süd 35° 10.000 ÷ 1.139 8,8 kWp
Hamburg, Süd 35° 10.000 ÷ 987 10,1 kWp
Berlin, Ost-West 20° 10.000 ÷ 856 11,7 kWp
Realdach (Annahme 950 kWh/kWp) 10.000 ÷ 950 10,5 kWp

Der letzte Wert ist ein frei gewählter, vorsichtigerer Planwert, der Verschattung und Verluste abbildet. Er ersetzt keine Prüfung Ihres Dachs.

Aber: Bilanz heißt nicht Selbstversorgung. Eine 10-kWp-Anlage in Berlin (Süd, 35°) erzeugt rund 10.575 kWh im Jahr. Bei gleichmäßigem Verbrauch von 833 kWh pro Monat decken Sie im Dezember (281 kWh Ertrag) nur etwa 34 % und im Januar (322 kWh) etwa 39 %, im Juni (1.326 kWh) dagegen 159 %. Den Überschuss im Sommer speisen Sie ein, den Fehlbetrag im Winter beziehen Sie vom Netz. Wie weit ein Speicher hilft, zeigt der Artikel Stromspeicher: wann er sich lohnt.

Für die Vergütung auf den eingespeisten Teil gelten die Sätze aus dem Artikel Einspeisevergütung 2026 und EEG-Novelle 2027.

Fallstricke und typische Fehler

  • Modellwert mit Messwert verwechseln. PVGIS liefert langjährige Mittel. Einzelne Jahre weichen um etwa ±6 % ab.
  • Verschattung ignorieren. PVGIS berücksichtigt den Horizont aus dem Geländemodell, nicht Ihren Nachbarn oder Ihren Schornstein.
  • Frei aufgeständert statt Aufdach. Die Standardrechnung geht von frei aufgeständerten Modulen aus. Bei Aufdach-Montage können die Verluste anders ausfallen; PVGIS bietet dafür eigene Montageoptionen.
  • Kein Alterungsabschlag. Module verlieren mit den Jahren Leistung; die Herstellerangabe finden Sie im Datenblatt.
  • 60-%-Grenze nicht eingeplant. Neue Anlagen unter 100 kW mit Einspeisevergütung müssen bis zum Einbau eines intelligenten Messsystems auf 60 % der Leistung einspeisebegrenzen (§ 9 EEG). Nach unserer Rechnung mit PVGIS-Stundenwerten (Jahre 2019–2023, ohne Eigenverbrauch) gehen dadurch bei Süd, 35° rund 4,6 % (Berlin) bis 5,4 % (München) des Ertrags verloren, bei Ost-West rund 1 %. Mehr dazu im Artikel Smart-Meter-Pflicht.
  • Dachfläche vergessen. Prüfen Sie, wie viele Module auf das Dach passen. Dafür gibt es den Dachflächen-Rechner.

Quellen und Stand

  • EU-Kommission, Gemeinsame Forschungsstelle: PVGIS, Datenbank PVGIS-SARAH3, Abruf 02.11.2026
  • Gesetze im Internet: § 9 EEG
  • Bundesnetzagentur: EEG-Vergütungssätze
  • Eigene Berechnung aus PVGIS-Daten (Systemverluste 14 %, frei aufgeständert)

Stand: 2. November 2026.

Häufige Fragen & Antworten (FAQ)

Nach PVGIS bei Südausrichtung und 35° Neigung rund 987 kWh in Hamburg, 1.058 kWh in Berlin, 1.080 kWh in Frankfurt und 1.139 kWh in München (14 % Systemverluste, Mittel 2005–2023). Ost-West-Dächer liegen bei etwa 81 % dieser Werte. Reale Anlagen weichen durch Verschattung und Alterung ab.

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