Woher die Zahlen stammen
Die Ertragswerte in diesem Artikel stammen aus PVGIS der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (PVGIS). Wir haben die Werte am 02.11.2026 abgerufen: Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH3, Mittel der Jahre 2005–2023, 1 kWp kristalline Siliziummodule, 14 % Systemverluste (Standardannahme), frei aufgeständerte Module. Für Ihr konkretes Dach können Sie dieselbe Abfrage selbst machen. Der PV-Ertragsrechner auf dieser Seite hilft bei der Überschlagsrechnung.
PVGIS ist ein Modell, keine Garantie: Verschattung durch Gebäude und Bäume, Verschmutzung, Alterung der Module und Wechselrichterverluste kommen in der Praxis hinzu. Im Mittel schwankt der Jahresertrag um rund 6 % (in Berlin bei Süd, 35°: Standardabweichung 60 kWh/kWp).
Ertrag nach Region und Ausrichtung
Alle Werte in kWh pro kWp und Jahr, gerundet. Südost und Südwest sind bei gleicher Neigung gleichwertig.
| Standort | Süd 35° | Süd 15° | Südost/Südwest 35° | Ost-West 20° (Mittel) | Flach 0° |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 987 | 923 | 935 | 806 | 822 |
| Berlin | 1.058 | 986 | 1.001 | 856 | 874 |
| Köln | 1.038 | 972 | 984 | 849 | 866 |
| Leipzig | 1.078 | 1.007 | 1.017 | 875 | 894 |
| Frankfurt | 1.080 | 1.018 | 1.026 | 892 | 912 |
| Stuttgart | 1.130 | 1.061 | 1.067 | 923 | 945 |
| Freiburg | 1.118 | 1.050 | 1.058 | 915 | 937 |
| München | 1.139 | 1.066 | 1.069 | 927 | 948 |
Ablesen: Der Unterschied zwischen Hamburg und München beträgt bei gleicher Ausrichtung rund 150 kWh/kWp, also rund 15 %. Die Ausrichtung wirkt etwa gleich stark: Ost-West erreicht in Berlin 856 ÷ 1.058 = 81 % des Südertrags. Für Ost-West sprechen eine flachere Tageskurve und niedrigere Mittagsspitzen, was zur 60-%-Einspeisegrenze passt (siehe Fallstricke).
Neigung und senkrechte Montage
| Berlin | kWh pro kWp und Jahr |
|---|---|
| Süd, 35° | 1.058 |
| Süd, 60° | 1.013 |
| Süd, 15° | 986 |
| Flach, 0° | 874 |
| Süd, 90° (Balkon, Fassade) | 766 |
| Ost oder West, 90° | 533 bzw. 520 |
Das erklärt, warum Balkonkraftwerke deutlich weniger liefern als Dachanlagen; Beispielrechnungen dazu finden Sie im Artikel Balkonkraftwerk anmelden und Regeln.
Monatsverteilung: Der Winter ist schwach
In Berlin liefert 1 kWp bei Süd, 35° im Jahr 1.057,5 kWh. Die Monatswerte (kWh pro kWp):
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ertrag | 32 | 56 | 91 | 122 | 132 | 133 |
| Monat | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ertrag | 130 | 122 | 103 | 71 | 39 | 28 |
April bis September liefern 740,9 kWh, das sind 70 % des Jahresertrags. Das zählt für die Frage, wie viel Strom Sie im Winter noch selbst erzeugen.
Formel und Rechenbeispiel
Jahresertrag = Anlagenleistung (kWp) × spezifischer Ertrag (kWh/kWp)
Umgekehrt: benötigte Leistung = Jahresverbrauch ÷ spezifischer Ertrag.
Wie viel Photovoltaik brauche ich für 10.000 kWh? (Annahmen)
Bilanzielle Rechnung: Die Anlage soll über das Jahr ebenso viel Strom erzeugen, wie Sie verbrauchen. Ergebnis je Standort und Ausrichtung:
| Standort und Ausrichtung | Rechnung | Benötigte Leistung |
|---|---|---|
| Berlin, Süd 35° | 10.000 ÷ 1.058 | 9,5 kWp |
| München, Süd 35° | 10.000 ÷ 1.139 | 8,8 kWp |
| Hamburg, Süd 35° | 10.000 ÷ 987 | 10,1 kWp |
| Berlin, Ost-West 20° | 10.000 ÷ 856 | 11,7 kWp |
| Realdach (Annahme 950 kWh/kWp) | 10.000 ÷ 950 | 10,5 kWp |
Der letzte Wert ist ein frei gewählter, vorsichtigerer Planwert, der Verschattung und Verluste abbildet. Er ersetzt keine Prüfung Ihres Dachs.
Aber: Bilanz heißt nicht Selbstversorgung. Eine 10-kWp-Anlage in Berlin (Süd, 35°) erzeugt rund 10.575 kWh im Jahr. Bei gleichmäßigem Verbrauch von 833 kWh pro Monat decken Sie im Dezember (281 kWh Ertrag) nur etwa 34 % und im Januar (322 kWh) etwa 39 %, im Juni (1.326 kWh) dagegen 159 %. Den Überschuss im Sommer speisen Sie ein, den Fehlbetrag im Winter beziehen Sie vom Netz. Wie weit ein Speicher hilft, zeigt der Artikel Stromspeicher: wann er sich lohnt.
Für die Vergütung auf den eingespeisten Teil gelten die Sätze aus dem Artikel Einspeisevergütung 2026 und EEG-Novelle 2027.
Fallstricke und typische Fehler
- Modellwert mit Messwert verwechseln. PVGIS liefert langjährige Mittel. Einzelne Jahre weichen um etwa ±6 % ab.
- Verschattung ignorieren. PVGIS berücksichtigt den Horizont aus dem Geländemodell, nicht Ihren Nachbarn oder Ihren Schornstein.
- Frei aufgeständert statt Aufdach. Die Standardrechnung geht von frei aufgeständerten Modulen aus. Bei Aufdach-Montage können die Verluste anders ausfallen; PVGIS bietet dafür eigene Montageoptionen.
- Kein Alterungsabschlag. Module verlieren mit den Jahren Leistung; die Herstellerangabe finden Sie im Datenblatt.
- 60-%-Grenze nicht eingeplant. Neue Anlagen unter 100 kW mit Einspeisevergütung müssen bis zum Einbau eines intelligenten Messsystems auf 60 % der Leistung einspeisebegrenzen (§ 9 EEG). Nach unserer Rechnung mit PVGIS-Stundenwerten (Jahre 2019–2023, ohne Eigenverbrauch) gehen dadurch bei Süd, 35° rund 4,6 % (Berlin) bis 5,4 % (München) des Ertrags verloren, bei Ost-West rund 1 %. Mehr dazu im Artikel Smart-Meter-Pflicht.
- Dachfläche vergessen. Prüfen Sie, wie viele Module auf das Dach passen. Dafür gibt es den Dachflächen-Rechner.
Quellen und Stand
- EU-Kommission, Gemeinsame Forschungsstelle: PVGIS, Datenbank PVGIS-SARAH3, Abruf 02.11.2026
- Gesetze im Internet: § 9 EEG
- Bundesnetzagentur: EEG-Vergütungssätze
- Eigene Berechnung aus PVGIS-Daten (Systemverluste 14 %, frei aufgeständert)
Stand: 2. November 2026.




