Solarpflicht 2026: Bundesländer im aktuellen Überblick
In Deutschland gilt ein Flickenteppich unterschiedlicher Solarpflichten. Während einige Bundesländer bereits eine harte PV-Pflicht für Neubauten und Dachsanierungen vorschreiben, haben andere noch keine Regelung. Das GModG sieht ab 2030 eine bundesweite Solarpflicht vor. Dieser Leitfaden verschafft den Überblick über alle 16 Bundesländer.
📋 Auf einen Blick
- Solarpflicht ist Ländersache – 9 von 16 Bundesländern haben bereits verbindliche PV-Pflicht
- Harte Pflicht gilt in BW, Bayern, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein
- GModG § 106 plant bundesweite Solarpflicht für Neubauten ab 2030
- Typische Sanktion bei Verstoß: Bußgeld bis 50.000 €
- Betroffen: Neubauten, Dachsanierungen, Parkplätze ab bestimmter Größe
Inhaltsverzeichnis
- 1. Solarpflicht in Deutschland — ein Flickenteppich
- 2. Bundesländer mit harter Solarpflicht
- 3. Bundesländer mit teilweiser Solarpflicht
- 4. Bundesländer ohne Solarpflicht (Stand 2026)
- 5. GModG § 106: Kommt die bundesweite Solarpflicht?
- 6. Bußgelder und Sanktionen bei Verstoß
- 7. Solarpflicht umsetzen: Kosten, Förderung, Steuern
Solarpflicht in Deutschland — ein Flickenteppich
Die Photovoltaik-Pflicht (auch Solarpflicht genannt) ist in Deutschland Ländersache. Der Bund hat bislang keine einheitliche Regelung geschaffen, sodass jedes Bundesland eigene Gesetze erlassen hat. Das führt zu einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Regelungen, Stichtagen und Sanktionen.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) sieht in § 106 erstmals eine bundesweite Solarpflicht vor – allerdings erst ab 2030 und nur für Neubauten. Bis dahin gelten die Landesregelungen.
Wer ist von der Solarpflicht betroffen?
Die Solarpflicht betrifft in der Regel:
- Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude)
- Dachsanierungen (grundlegende Dachsanierung oder -erneuerung) — wie Sie eine Dachsanierung 2026 mit Dämmung, PV und Förderung optimal planen, lesen Sie in unserem Ratgeber
- Parkplätze (ab einer bestimmten Größe)
- Öffentliche Gebäude (oft mit strengeren Vorgaben)
Bundesländer mit harter Solarpflicht
Die folgenden Bundesländer haben eine verbindliche Solarpflicht für Neubauten und teilweise für Dachsanierungen erlassen:
| Bundesland | Neubau | Dachsanierung | Parkplätze | Stichtag |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | ✅ Ja | ✅ Ja (ab 2023) | ✅ Ja | 01.05.2022 |
| Bayern | ✅ Ja (teilweise) | ❌ Nein | ❌ Nein | 01.01.2025 |
| Berlin | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | 01.01.2023 |
| Hamburg | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | 01.01.2025 |
| Niedersachsen | ✅ Ja | ✅ Ja (ab 2025) | ✅ Ja | 01.01.2025 |
| Nordrhein-Westfalen | ✅ Ja | ✅ Ja (ab 2026) | ❌ Nein | 01.01.2025 |
| Bremen | ✅ Ja | ✅ Ja | ✅ Ja | 01.01.2025 |
| Schleswig-Holstein | ✅ Ja | ❌ Nein | ✅ Ja | 01.01.2025 |
Details zu den wichtigsten Bundesländern
Baden-Württemberg war 2022 das erste Bundesland mit einer Solarpflicht. Seit dem 1. Mai 2022 müssen alle Neubauten eine PV-Anlage erhalten. Seit 2023 gilt die Pflicht auch bei grundlegenden Dachsanierungen. Die PV-Anlage muss mindestens 60 % der Dachfläche belegen.
Nordrhein-Westfalen hat die Solarpflicht zum 1. Januar 2025 für Neubauten eingeführt. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Pflicht auch für Dachsanierungen. Damit ist NRW das aktuellste Bundesland mit einer erweiterten Solarpflicht. Pro Wohneinheit ist eine Leistung von mindestens 1,5 kWp vorgeschrieben.
Niedersachsen schreibt seit dem 1. Januar 2025 eine Solarpflicht für Neubauten und Dachsanierungen vor. Für Dachsanierungen gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2025 – ab 2026 ist die Pflicht uneingeschränkt wirksam.
Bayern hat eine abgeschwächte Solarpflicht. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Neubauten von Nichtwohngebäuden mit einer PV-Anlage ausgestattet werden. Für Wohngebäude (sowohl Neubau als auch Dachsanierung) gilt seit dem 1. Januar 2025 lediglich eine dringende Empfehlung (Soll-Vorschrift) ohne Bußgelder bei Verzicht. Dachsanierungen für Wohngebäude sind von einer Pflicht nicht betroffen.
Bundesländer mit teilweiser Solarpflicht
Einige Bundesländer haben eine eingeschränkte Solarpflicht, die nur bestimmte Gebäudetypen betrifft:
| Bundesland | Regelung | Gültig seit |
|---|---|---|
| Hessen | Solarpflicht nur für öffentliche Gebäude und Gewerbe-Neubauten | 01.01.2025 |
| Rheinland-Pfalz | Solarpflicht für Neubauten (außer Wohngebäude unter 100 m²) | 01.01.2025 |
| Saarland | Solarpflicht für öffentliche Gebäude | 01.01.2025 |
| Thüringen | Solarpflicht für Landesgebäude (ohne private Wohngebäude) | 01.01.2025 |
Bundesländer ohne Solarpflicht (Stand 2026)
Die folgenden Bundesländer haben keine verbindliche Solarpflicht erlassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Solaranlagen nicht gefördert werden – im Gegenteil, viele bieten attraktive Förderprogramme:
| Bundesland | Status | Alternativen |
|---|---|---|
| Brandenburg | Keine Solarpflicht | Landesförderung für PV-Anlagen |
| Mecklenburg-Vorpommern | Keine Solarpflicht | KfW-Förderung + Landesprogramm |
| Sachsen | Keine Solarpflicht | Kommunale Förderprogramme |
| Sachsen-Anhalt | Keine Solarpflicht | KfW-Förderung |
| Schleswig-Holstein | Nur Neubau-Pflicht | Landesförderung für PV + Speicher |
GModG § 106: Kommt die bundesweite Solarpflicht?
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) enthält in § 106 eine wichtige Neuerung: Erstmals soll eine bundeseinheitliche Solarpflicht eingeführt werden.
Geplante Regelung:
- Ab 2030: Solarpflicht für alle Neubauten von Wohngebäuden
- Ab 2032: Solarpflicht für alle Neubauten von Nichtwohngebäuden
- Ausnahmen: Bei Unwirtschaftlichkeit, Denkmalschutz oder Verschattung
- Keine Pflicht für Bestandsgebäude (anders als in vielen Bundesländern)
- Keine Pflicht für Dachsanierungen
Bis zum Inkrafttreten der bundesweiten Regelung bleiben die Landesgesetze maßgeblich. Hausbesitzer in Bundesländern ohne Solarpflicht sind bis 2030 nicht verpflichtet, eine PV-Anlage zu installieren – können aber freiwillig von den attraktiven Förderprogrammen profitieren.
Bußgelder und Sanktionen bei Verstoß
Die Nichteinhaltung der Solarpflicht kann teuer werden. Die Bußgelder variieren je nach Bundesland:
| Bundesland | Maximales Bußgeld | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Bis 50.000 € | Ordnungswidrigkeit, wiederholte Verstöße |
| Berlin | Bis 25.000 € | Bei Vorsatz bis 50.000 € |
| Hamburg | Bis 50.000 € | Auch bei Fahrlässigkeit |
| Niedersachsen | Bis 10.000 € | Erstverstoß 1.000–5.000 € |
| NRW | Bis 10.000 € | Bei Nichterfüllung der Dachsanierungspflicht |
| Bayern | Bis 5.000 € | Milde Sanktionen, viele Ausnahmen |
In der Praxis werden Bußgelder selten verhängt. Stattdessen wird die Solarpflicht im Baugenehmigungsverfahren geprüft – ohne PV-Anlage gibt es oft keine Baugenehmigung.
Solarpflicht umsetzen: Kosten, Förderung, Steuern
Auch wenn die Solarpflicht eine Pflicht ist, müssen Sie die Kosten nicht allein tragen. Eine PV-Anlage amortisiert sich in der Regel innerhalb von 10–14 Jahren und profitiert von mehreren staatlichen Vergünstigungen:
Nullsteuersatz (0 % MwSt.)
Seit 2023 sind PV-Anlagen und Speicher auf Wohngebäuden bis 30 kWp von der Umsatzsteuer befreit. Das spart sofort rund 19 % der Investitionskosten.
KfW-Förderung
Über die KfW-Heizungsförderung können Sie zwar keine reine PV-Anlage fördern lassen, aber in Kombination mit einer Wärmepumpe oder als Teil einer umfassenden Sanierung sind Zuschüsse möglich.
Einkommensteuerfrei
Seit 2023 sind Einnahmen aus dem PV-Betrieb (Einspeisevergütung und Eigenverbrauch) bis 30 kWp von der Einkommensteuer befreit. Mehr dazu in unserem Beitrag Photovoltaik steuerfrei: Alle Regeln 2026.
Landesförderungen
Viele Bundesländer bieten zusätzliche Zuschüsse:
- Bayern (Kommunen): Landesweites 10.000-Häuser-Programm wurde eingestellt; Förderung erfolgt nur noch über kommunale Programme (z. B. München).
- NRW (Kommunen): Keine progres.nrw-Förderung mehr für Balkonkraftwerke; viele Städte bieten jedoch Zuschüsse von 50 € bis 500 € an.
- Baden-Württemberg: Zinsgünstige Darlehen (L-Bank-Programm „Wohnen mit Zukunft")
- Niedersachsen (Kommunen): Keine landesweite Direktförderung mehr; Unterstützung erfolgt über kommunale Programme (z. B. Hannover via proKlima).
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