Ist das Heizungsgesetz abgeschafft?
Kurz: Das GEG als Gesetz ist abgelöst, die Pflichten zum Heizungstausch sind abgeschafft – Regeln für neue Heizungen gibt es aber weiterhin. Das Gebäudeenergiegesetz wurde durch das „Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden“ ersetzt, kurz Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Präzise heißt das:
- Abgeschafft sind die 65-%-Pflicht für neue Heizungen (§§ 71 bis 73 sind „weggefallen“), die Austauschpflicht für Konstanttemperaturkessel nach 30 Jahren (alter § 72) und die Pflichtberatung vor dem Einbau einer Gas- oder Ölheizung (alter § 71 Abs. 11).
- Nicht abgeschafft ist das Ziel, dass Gebäude bis 2045 klimaneutral beheizt werden. Neue fossile Heizungen in Bestandsgebäuden müssen dafür ab 2029 schrittweise biogene oder wasserstoffbasierte Brennstoffe nutzen (§ 43, „Bio-Treppe“).
- „Gekippt“ im Sinne eines Gerichtsurteils wurde nichts. Das Bundesverfassungsgericht hat am 09.07.2026 einen Eilantrag gegen das Verfahren abgelehnt; einen Tag später haben Bundestag und Bundesrat das Gesetz beschlossen. Die Deutsche Umwelthilfe hält es für verfassungsrechtlich „höchst zweifelhaft“, weitere Klagen werden erwartet.
Ihre bestehende Heizung dürfen Sie weiter betreiben und reparieren. Es gibt kein Betriebsverbot für Öl- oder Gaskessel mehr.
Zeitleiste: Vom Eckpunktepapier zum Inkrafttreten
| Schritt | Datum |
|---|---|
| Eckpunkte der Bundesregierung | 24.02.2026 |
| Kabinettsbeschluss | 13.05.2026 |
| 1. Lesung im Bundestag | 11.06.2026 |
| Stellungnahme Bundesrat (Drs. 292/26) | 12.06.2026 |
| BVerfG lehnt Eilantrag ab | 09.07.2026 |
| Bundestag (2./3. Lesung) und Bundesrat | 10.07.2026 |
| Verkündung (Gesetz vom 23.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 226) | 28.07.2026 |
| Inkrafttreten der Kernregeln | 29.07.2026 |
| Weitere Teile (u. a. EPBD-Umsetzung, Primärenergiefaktoren) | voraussichtlich 01.02.2027 |
Ein häufiger Fehler in älteren Texten: Im Mai 2026 hat nur das Kabinett einen Entwurf beschlossen – Gesetz wurde daraus erst im Juli. Den offiziellen Stand dokumentiert das GModG-Portal der Bundesregierung.
Die Bio-Treppe nach § 43 GModG
Die zentrale neue Pflicht steht in § 43 GModG. Sie gilt für Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die nach dem 29.07.2026 in ein Bestandsgebäude eingebaut werden. Ab den genannten Stichtagen muss ein Mindestanteil des Brennstoffs aus Biomethan, Bioöl, Bio-LPG oder grünem, blauem, orangem bzw. türkisem Wasserstoff stammen:
| Ab | Mindestanteil |
|---|---|
| 01.01.2029 | 10 % |
| 01.01.2030 | 15 % |
| 01.01.2035 | 30 % |
| 01.01.2040 | 60 % |
| 2045 | Brennstoffe vollständig klimaneutral (über die Quote nach § 42a) |
Für Heizungen, die Sie vor dem 29.07.2026 eingebaut haben, gilt die Bio-Treppe nicht.
Alternativen zur Bio-Treppe
Für die Jahre 2029 bis 2034 lässt § 43 Ersatzlösungen zu:
- Solarthermie mit mindestens 0,04 m² Aperturfläche je m² Nutzfläche (bei bis zu 2 Wohnungen) bzw. 0,03 m² (bei mehr als 2 Wohnungen).
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für das ganze Gebäude (mindestens 73 % Rückgewinnung, Leistungszahl mindestens 10).
- Wärmepumpen-Hybridheizung: Sie erfüllt § 43, wenn die Wärmepumpe mindestens 30 % der Spitzenlast deckt (bei bivalent-alternativem Betrieb mindestens 40 %).
Eine rein elektrische Wärmepumpe fällt nicht unter die Bio-Treppe.
Havarie-Regel
Fällt eine Heizung irreparabel aus und wird 2028 ersetzt, greift die Pflicht erst 12 Monate nach dem Einbau. Ab 2029 gilt ebenfalls eine Übergangszeit von 12 Monaten (§ 43 Abs. 7).
Was noch offen ist: Grüngasquote
Woher das Biomethan kommen soll, regelt § 42a: Eine Grüngas- bzw. Grünheizölquote für Versorger soll ab 2028 starten. Das dazugehörige Gesetz hat die Bundesregierung bis 01.12.2026 angekündigt. Stand heute ist die Quotenhöhe nicht beschlossen; die Regierung spricht von „moderat“. Was Biomethan 2029 kosten wird, kann deshalb niemand seriös beziffern.
Mieter: 50:50-Teilung bei neuen fossilen Heizungen
Damit Vermieter nicht billig fossil einbauen und die Folgekosten allein den Mietern überlassen, wurde das CO2-Kostenaufteilungsgesetz ergänzt (§ 5a CO2KostAufG). Für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen nach § 43 werden hälftig geteilt:
- Gasnetzentgelte – für Abrechnungszeiträume ab 01.01.2028,
- CO₂-Kosten – ab 2028, abweichend vom bisherigen Stufenmodell,
- Mehrkosten des Bioanteils – ab 2029, gedeckelt auf 30 % des Brennstoffs.
Für Neubauten, die bis 31.12.2029 errichtet werden, gilt das entsprechend (§ 5b), außer bei Bauantrag vor dem 13.05.2026. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe in der Mietwohnung.
Was sich noch geändert hat
- Wärmeplanung: Die Kopplung der 65-%-Pflicht an die kommunale Wärmeplanung entfällt. In der Förderung wirkt die Wärmeplanung aber weiter: Ist ein Anschluss an das Wärmenetz kommunal vorgesehen oder rechtsverbindlich innerhalb von 3 Jahren zugesagt, fördert die KfW nur noch den Netzanschluss. Was das für Sie heißt, steht im Ratgeber Fernwärme 2026.
- Schornsteinfeger: Die Prüfpunkte zu den alten §§ 71 ff. sind entfallen; die Bio-Treppe prüft der Bezirksschornsteinfeger laut § 97 nicht. Details im Ratgeber Schornsteinfeger 2026.
- Neubau: Nullemissionsgebäude-Standard für öffentliche Nichtwohngebäude ab 2028, für alle Neubauten ab 2030; Solarpflicht für Neubauten schrittweise.
- Härtefälle: § 102 GModG erlaubt Befreiungen bei unbilliger Härte.
- Bußgelder: bis 50.000 €. Eine Evaluierung ist für 2030 vorgesehen (§ 9a).
Förderung bleibt – mit neuen Sätzen
Das GModG regelt Pflichten, nicht die Zuschüsse. Die Heizungsförderung läuft über die BEG-Richtlinie vom 17.07.2026 (in Kraft seit 21.07.2026). Für eine Wärmepumpe im selbstgenutzten Haus gibt es bei der KfW 458 30 % Grundförderung, 16 % Klimageschwindigkeitsbonus (Antrag bis 31.01.2027, danach 12 %) und einen Einkommensbonus von 40/30/10 %. Gedeckelt ist bei 70 % (80 % bei zvE bis 30.000 €), förderfähig sind höchstens 28.000 € für die erste Wohneinheit. Neue Gas- und Ölheizungen werden nicht gefördert. Alle Details im Ratgeber zur KfW-458-Heizungsförderung.
Rechenbeispiel (Annahmen: neue Gasheizung 2027, 20.000 kWh Gas/Jahr, Bioanteil kostet 5 ct/kWh mehr als Erdgas)
Der Aufpreis für Biomethan ist nicht bekannt; 5 ct/kWh ist ein frei gewähltes Szenario, um die Größenordnung zu zeigen.
| Jahr | Pflichtanteil | Bio-Menge | Mehrkosten/Jahr |
|---|---|---|---|
| 2029 | 10 % | 2.000 kWh | 100 € |
| 2030–2034 | 15 % | 3.000 kWh | 150 € |
| 2035–2039 | 30 % | 6.000 kWh | 300 € |
| ab 2040 | 60 % | 12.000 kWh | 600 € |
Rechnung: Bio-Menge × 0,05 €/kWh. Von 2029 bis 2046 summiert sich das auf 100 + 5 × 150 + 5 × 300 + 7 × 600 = 6.550 € – zusätzlich zum normalen Gaspreis, zu CO₂-Kosten und Netzentgelten. Bei 10 ct Aufpreis verdoppelt sich der Betrag. Den vollständigen 20-Jahres-Vergleich finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe vs. Gasheizung.
Typische Fehler und Fallstricke
- „Die 65-%-Regel gilt noch.“ Falsch seit 29.07.2026. Wer damit argumentiert, beruft sich auf weggefallenes Recht.
- „Meine 30 Jahre alte Ölheizung muss raus.“ Die Austauschpflicht ist entfallen. Prüfen Sie trotzdem Effizienz und Reparaturkosten.
- „Neue Gasheizung = keine Pflichten.“ Die Bio-Treppe greift ab 2029 automatisch. Wer heute einbaut, legt sich auf steigende Brennstoffkosten mit unbekanntem Preis fest.
- „Vermieter können alles umlegen.“ Bei neuen fossilen Heizungen trägt der Vermieter ab 2028 die Hälfte von Netzentgelten und CO₂-Kosten.
- Wärmeplanung ignorieren. Steht ein Netzanschluss rechtsverbindlich in Aussicht, gibt es für eine Einzelheizung keinen KfW-Zuschuss mehr.
- Kabinettsbeschluss mit Gesetz verwechseln. Das gilt auch für die Grüngasquote: Bis das Gesetz verkündet ist, sind Zahlen dazu Entwürfe.
Der CO₂-Preis liegt 2026 und 2027 im Korridor von 55 bis 65 €/t. Warum die Einnahmen daraus nicht als Klimageld an die Haushalte zurückfließen, steht in einem eigenen Beitrag.
Quellen und Stand
- GModG-Portal der Bundesregierung – Gesetzgebungsverfahren, Inkrafttreten
- § 43 GModG – Bio-Treppe (gesetze-im-internet.de)
- § 5a CO2KostAufG und § 5b CO2KostAufG
- KfW-Produktseite 458
- Verbraucherzentrale: Was steht im GModG?
Stand: 2. November 2026. Offen: Grüngasquote (Gesetz bis 01.12.2026 angekündigt), genaues Datum der zweiten Inkrafttretensstufe, mögliche Verfassungsklagen.




